Der Reformator

Martin Luther
Reiseführer

Martin Luther der "streitbare Theologieprofessor"

Martin Luther (1483-1546) ahnte nicht, dass er die Reformation einleitete, als er seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel einem Brief an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg am 31. Oktober 1517 beilegte. Als dieser sich dazu nicht äußerte, sprach Martin Luther mit Vertrauten darüber, von denen dann jemand ohne Luthers Wissen die Thesen veröffentlichte.
Die Reformation nahm ihren Lauf...

Das Portal der Schlosskirche in Lutherstadt Wittenberg, an das Martin Luther angeblich die 95 Thesen schlug

Thesentür der Schlosskirche in Wittenberg

Diese 95 Thesen sind heute an der Tür der Schlosskirche der Lutherstadt Wittenberg für jeden sichtbar. Denn vielleicht war es ja doch so, wie es seit Jahrhunderten an den Schulen gelehrt wird, und Luther hat das Papier an diese Kirchentür genagelt. Seit dem Fund einer Notiz hierzu im Jahre 2006 gilt die Legende wieder als sehr wahrscheinlich.

Luther stellte zwar nicht den Ablass als Instrument der Aufhebung von Sündenstrafen in Frage, doch den Handel mit Ablassbriefen lehnte er rigoros ab. Mit Geld sei dies nicht zu erwirken, nur mit guten Taten, mit Beten und Pilgerfahrten.

Beten und Reisen möchten viele Menschen auch heute wieder, natürlich auch zu den zahlreichen Wirkungsstätten und Lebensstationen des Reformators Martin Luther in Deutschland. Der Martin Luther Reiseführer (Schmidt-Buch-Verlag, ISBN 978-3-936185-88-1, EUR 6,00) stellt diese Lutherorte nach Bundesländern geordnet detailliert vor. So gelangt der Leser u.a. nach Lutherstadt Eisleben, Torgau, Eisenach (Wartburg), Erfurt, Mansfeld-Lutherstadt, Worms, Augsburg und natürlich Lutherstadt Wittenberg. Eine ausführliche Biografie leitet den Martin Luther Reiseführer ein und ein Personenregister der wichtigsten Weggefährten und Kontrahenten des Reformators schließt nach den Lutherorten das Buch ab.

Martin Luthers Thesenanschlag gegen den Ablasshandel jährt sich 2017 zum fünfhundertsten Mal. Zur Vorbereitung und Würdigung dieses für die Reformation bahnbrechenden Ereignisses haben Staat und Kirche die Luther-Dekade "Luther2017" ins Leben gerufen. Unter diesem organisatorischen Dach engagieren sich seit 31. Oktober 2008 unzählige Menschen auf verschiedenste Weise. 2015 hieß das Themenjahr "Bild und Bibel". Gleichzeitig wurde der 500. Geburtstag Lucas Cranachs des Jüngeren mit einer großen Landesausstellung in Lutherstadt Wittenberg, Wörlitz und Dessau gefeiert.
Das finale Themenjahr 2016 steht unter dem Motto: "Reformation und die eine Welt".

Martin Luther Biografie

Kindheit in Lutherstadt Eisleben

Martin Luther wurde am 10.11.1483 in Eisleben geboren und am Tag darauf in der Petri-Pauli-Kirche getauft. Deshalb dient nach bemerkenswertem Umbau das gotische Gotteshaus heute der Lutherstadt Eisleben als "Zentrum Taufe". Bereits mit vier Jahren wurde der kleine Martin Luther in Mansfeld eingeschult, erhielt später auch in Magdeburg und Eisenach Unterricht, bevor er sich 1501 an der ehrwürdigen Universität in Erfurt für "Die sieben freien Künste" einschrieb. Vier Jahr später begann Martin Luther in Erfurt sein Jurastudium, besuchte noch im Sommer 1505 zu Fuß seine Eltern und wurde auf dem Rückweg bei Stotternheim (nähe Erfurt) während eines plötzlichen schweren Gewitters beinahe vom Blitz getroffen. "Ich will ein Mönch werden!" soll er in Todesangst gerufen haben und schon am 17. Juli setzte er diesen Entschluss um, als er hinter der Pforte des Schwarzen Klosters in Erfurt verschwand. Im April 1507 erhielt er im Erfurter Dom die Priesterweihe und begann ein Theologiestudium.

Während Martin Luther zu Hause und in den ersten Schuljahren mit großer körperlicher Härte auf Gehorsam und stumpfes "Pauken" gedrillt worden war, hatte er an der Lateinschule in Eisenach auch das Denken gelernt. Dies versetzte ihn als studierenden Erfurter Mönch in die Lage, die zahlreichen Missstände in Kirche und Gesellschaft zu sehen und sich allmählich dagegen aufzulehnen. Hier hörte und verinnerlichte er zum ersten Mal die Sätze eines alten Gelehrten:"Es muss eine Änderung werden, und die ist groß. Wie es ist, kann es nicht bleiben!"

Luthers Reise nach Rom

Die Zweifel an der bestehenden Ordnung mehrten sich massiv bei einer Reise nach Rom 1511, als Martin Luther eine Protestnote seines Ordens dem Vatikan überbrachte und er sich mit dem von Frivolität, Luxus und Dekadenz geprägten Lebensstil des Klerus im heiligen Rom konfrontiert sah.

95 Thesen in Wittenberg

Im Sommer 1511 holten Martin Luther die eigenen Pflichten ein. Er promovierte in Wittenberg auf Kosten des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen, der auch später seine schützende Hand über den "Reformator in spe" hielt. Ab 1514 predigte Martin Luther an der Stadtkirche Wittenberg. Immer öfter wurde er hier mit dem aufblühenden Ablasshandel des Mönchs Johann Tetzel konfrontiert, was Luthers Auffassung des christlichen Glaubens völlig widersprach. Sündenstrafen könnten, so Luther, nicht mit Geld, sondern nur mit dem Glauben aufgehoben werden. So kam es im denkwürdigen Jahr 1517 zu den legendären 95 Thesen gegen den Ablasshandel, die Martin Luther in Wittenberg zu Papier und unter die Leute brachte. Mit der Dekade "Luther2017" gedenken heute unzählige Menschen in aller Welt dieses Datums, das allgemein als Beginn der Reformation gefeiert wird.

Die heftige Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Rom forderte von Friedrich dem Weisen die Auslieferung des Ketzers, was beim Kurfürsten auf Ablehnung stieß. Stattdessen sollte der einflussreiche Kardinal Jakob Cajetan den Reformator in einem "väterlichen Verhör" zum Widerruf seiner Thesen bewegen, was schließlich am Rande des Reichstages in Augsburg 1518 scheiterte. Zwei Jahre später drohte Rom Martin Luther den Bann an, was diesen wenig beeindruckte und im Dezember 1520 sogar dazu bewog, dieses Schreiben gemeinsam mit dem katholischen Kirchenrecht in Wittenberg öffentlich zu verbrennen! Daraufhin sprach Rom am 3.1.1521 tatsächlich über Martin Luther den Bann aus, exkommunizierte ihn also aus der Kirchengemeinschaft.

Als Junker Jörg übersetzt Luther die Bibel auf der Wartburg

Da schon damals ein deutscher Rechtsstreit nur vor einem deutschen Gericht (also nicht in Rom) ausgetragen werden konnte, wurde Martin Luther von Kaiser Karl V. am 18.4.1521 vor den Reichstag in Worms bestellt, wo er u.a. zu Protokoll gab: "Daher kann und will ich nichts widerrufen!" Auf der Grundlage des päpstlichen Banns wurde auf dem Wormser Reichstag dann noch die Reichsacht verhängt, die mit Vogelfreiheit einhergeht. Deshalb veranlasste Kurfürst Friedrich der Weise, dass Luther auf seiner Rückreise in Thüringen "überfallen" und zu seinem Schutz auf die Wartburg verschleppt wurde. Hier lebte und arbeitete er inkognito als "Junker Jörg" und übertrug in der heutigen "Lutherstube" das Neue Testament ins Deutsche. Mit dieser Bibelübersetzung leistete Martin Luther einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache.

Im März 1522 kehrte Martin Luther mit dem deutschen Bibel-Manuskript nach Wittenberg zurück, wo er mit Philipp Melanchthon Korrektur las und im September die erste Fassung in den Druck gab. Das Leben als Mönch beendete der Reformator im Oktober 1524 und heiratete im Juni darauf Katharina von Bora. In dieser Zeit breitete sich die Reformation durch den Übertritt mehrerer Landesherren zum lutherischen Glauben rasant aus. Gleichwohl gab es noch längere Zeit Differenzen zwischen den Vertretern der reformierten Kirche in den verschiedenen Regionen, insbesondere bezüglich der Auslegung des Abendmahls. Hier einigte man sich erst 1535 in Wittenberg unter Federführung Martin Luthers auf einen Kompromiss.

Die letzten Tage in Eisleben

Manches Zipperlein begann mit zunehmendem Alter den kraftvollen, beleibten Gottessohn aus Wittenberg zu plagen. Vor allem ein Herz- und Nierenleiden schwächte Martin Luther, der trotzdem im Januar 1546 einem Ruf der Mansfelder Grafen nach Eisleben folgte, um dort deren Erbstreitigkeiten beizulegen. Dies gelang dem gebürtigen Eislebener sogar, der am 14. Februar in der Andreaskirche die letzte Predigt seines Lebens begann und durch einen Schwächeanfall nicht beenden konnte. Am 18.2.1546 zwischen 2 und 3 Uhr nachts verstarb der Reformator Martin Luther.

Aktuelles zu Martin Luther

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Bereisen Sie die Wirkungsstätten des Reformators

Orte aus den folgenden Bundesländern werden im Reiseführer beschrieben

Thüringen

  • Eisenach
  • Erfurt
  • Weimar
  • Altenburg
  • Möhra
  • Jena
  • Schmalkalden
  • Mühlhausen
  • Bad Frankenhausen

Sachsen

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  • Leipzig

Bayern

  • Coburg
  • Augsburg

Rheinland-Pfalz

  • Worms
  • Speyer

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